Nach einem würdigen Abschied in der WG 118 in Karlsruhe und den ersten 5
Wochen in
Mexiko wird es Zeit für ein erstes Lebenszeichen.
Was war passiert: Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich mich an 5 Universitäten in den USA beworben, alleine vier davon an der amerikanischen Westküste. Meinem Wunsch nach Sonne, Strand und Surfen wurde leider keine Rechnung getragen und so stand alsbald fest, dass es nach Chicago gehen sollte.
Um schon mal vorzufühlen, wie sich die amerikanische Kultur und meinereiner verstehen, ging es über Silvester mit drei sehr guten Freunden (Richard, Zena und Michi, wobei letzterer eben dort an der Universität in Chicago bereits studierte) mit dem Auto von Chicago über Detroit, Toronto und den Niagara Fällen nach New York. Es waren sehr beeindruckende 12 Tage die wir gemeinsam verbracht haben. Nur meine Vorfreude war nicht wirklich größer geworden.
Ich war mir unsicher, ob die Amis und ich uns über einen längeren Zeitraum hinweg gut verstehen würden. Das hat dann wohl auch das liebe Schicksal gemerkt und dafür gesorgt, dass mein Studium in den USA ins Wasser fällt. Viele Besuche bei den zuständigen Behörden an meiner Karlsruher Uni haben dann, neben dem angebotenen Du meiner "zuständigen Sachbearbeiterin", letztendlich Mexiko als beste Alternative ergeben.
Und genau dort bin ich nun gelandet. Genauer an Mexikos (manchmal auch Südamerikas) angeblich bester Privatuniversität. Schön unpraktisch gelegen zwischen dem Stadtrand (leider nicht Stadtstrand) von Guadalajara und einem großen Luftwaffenstützpunkt der mexikanischen Armee. Nachdem bereits meine Vorfreude an ein Studium in den USA mal eben beiseite gefegt wurde, folgte auch hier in Mexiko schnell ein wenig Ernüchterung.
(An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich mich anfangs immer schwer tue in einer neuen Umgebung und vor allem den negativen Dingen viel zu viel Aufmerksamkeit schenke)
Von wegen Tequila, Siesta und Fiesta. Die Wohnungssuche und die ersten Tage an der Universität waren von vielen Rückschlägen, nervenaufreibenden Telefonaten und dem Kennenlernen vieler Regeln geprägt. Wir mussten uns überlegen, ob wir näher in der Stadt und somit näher am mexikanischen Leben oder näher an der Uni und weit weg vom mexikanischen Leben wohnen wollten. Letztendlich haben sich Carsten und Fabian für die Stadt und ich mich für ein kleines Häuschen zusammen mit zwei anderen Deutschen in einer Kolonie mit Pool entschieden. Als Belohnung für die erfolgreiche Wohnungssuche und die ersten Tage an der Uni ging es über das Wochenende ans Meer. Zarte 6 Stunden Busfahrt brachten uns ins ca. 40 Grad warme Vallarta, wo wir zwei Tage Pool, Strand und Barra Libre (all inclusice bar) genossen und einander besser kennenlernten. Mit "einander" meine ich die ca. 300 weiteren Austauschstudenten aus aller Herren Länder (hauptsächlich aber Frankreich und Deutschland).
Der erste Wunsch war also erfüllt: ein Haus mit Pool. Fehlte noch das Auto. Bereits in Woche zwei ging ich mit einem mexikanischen Taxifahrer und Jannis, der in Deutschland Fahrzeugtechnik studiert, auf den größten Automarkt Guadalajaras. 3 Stunden später durfte ich einen marinefarbenen Käfer von 1995 mein Eigen nennen. Leider braucht der Kleine viel Zuwendung. Inzwischen sind bereits 200€ in den hier liebevoll "BOCHO" genannten Kleinwagen geflossen. Ersatzteile, ein Autoradio und eine Generallüberholung des Motors waren nötig. Und inzwischen kann ich auch das mexikanische Sprichwort nachvollziehen:
Un bocho que no pierde aceite no es un bocho. - Ein Käfer der kein Öl verliert, ist kein Käfer.
Jetzt fehlt ihm noch ein neuer Reifen und aufregenden Reisen steht nichts mehr im Weg.
Tatsächlich ist jede Reise mit meinem Bocho sehr aufregend. Ständig muss man darauf achten, nicht in einem der zahlreichen Schlaglöcher zu verschwinden oder auf den überflüssigen Bodenwellen zur Geschwindigkeitsreduzierung aufzusetzen. Ganz nach mexikanischer Art ist der Wagen bis jetzt noch nicht auf mich angemeldet und hat auch keine Versicherung. Aber er läuft. Toi toi toi. Sogar die sintflutartigen Regengüsse, die das Wasser auf den Straßen zum Teil knietief werden lassen, machen ihm nichts aus.
Der zweite Wunsch war also auch erfüllt und ich konnte mich ein wenig auf die Universität und das Planen von Reisen konzentrieren. Nachdem ich in den ersten zwei Wochen noch mit Hausarbeiten beschäftigt war, ist es inzwischen ein bisschen ruhiger geworden. Wir sind bereits seit 5 Wochen hier. Ich habe angefangen Gitarre zu lernen, nehme an einem Photokurs teil und war noch zwei Mal am Meer.
Die nächsten Reisen sind bereits geplant. In zwei Wochen geht es an die Westküste in die USA. Im Oktober nach Mexiko-City und im November vielleicht nach Kuba.
Die Monate werden wohl schnell vergehen. Wir verbringen alle viel Zeit miteinander und man kommt schnell mit den Mexikanern in ein Gespräch. Schnell folgen das ein oder andere gemeinsame Bier und dann Einladungen zu weiteren Treffen und Tequila. Eine solche Begegnung hat uns auch bereits den Besuch eines Wrestling-Turniers und viele andere kleine Geschichten eingebracht.
Andererseits sieht man an jeder Straßenecke schwerbewaffnete Polizei, z.T. in gepanzerten Fahrzeugen und ausgerüstet wie Soldaten. Sogar von unserem Campus wird das Geld aus dem Starbucks nur mit schussbereiter Shotgun abgeholt.
Der erste Wunsch war also erfüllt: ein Haus mit Pool. Fehlte noch das Auto. Bereits in Woche zwei ging ich mit einem mexikanischen Taxifahrer und Jannis, der in Deutschland Fahrzeugtechnik studiert, auf den größten Automarkt Guadalajaras. 3 Stunden später durfte ich einen marinefarbenen Käfer von 1995 mein Eigen nennen. Leider braucht der Kleine viel Zuwendung. Inzwischen sind bereits 200€ in den hier liebevoll "BOCHO" genannten Kleinwagen geflossen. Ersatzteile, ein Autoradio und eine Generallüberholung des Motors waren nötig. Und inzwischen kann ich auch das mexikanische Sprichwort nachvollziehen:
Un bocho que no pierde aceite no es un bocho. - Ein Käfer der kein Öl verliert, ist kein Käfer.
Jetzt fehlt ihm noch ein neuer Reifen und aufregenden Reisen steht nichts mehr im Weg.
Tatsächlich ist jede Reise mit meinem Bocho sehr aufregend. Ständig muss man darauf achten, nicht in einem der zahlreichen Schlaglöcher zu verschwinden oder auf den überflüssigen Bodenwellen zur Geschwindigkeitsreduzierung aufzusetzen. Ganz nach mexikanischer Art ist der Wagen bis jetzt noch nicht auf mich angemeldet und hat auch keine Versicherung. Aber er läuft. Toi toi toi. Sogar die sintflutartigen Regengüsse, die das Wasser auf den Straßen zum Teil knietief werden lassen, machen ihm nichts aus.
Der zweite Wunsch war also auch erfüllt und ich konnte mich ein wenig auf die Universität und das Planen von Reisen konzentrieren. Nachdem ich in den ersten zwei Wochen noch mit Hausarbeiten beschäftigt war, ist es inzwischen ein bisschen ruhiger geworden. Wir sind bereits seit 5 Wochen hier. Ich habe angefangen Gitarre zu lernen, nehme an einem Photokurs teil und war noch zwei Mal am Meer.
Die Monate werden wohl schnell vergehen. Wir verbringen alle viel Zeit miteinander und man kommt schnell mit den Mexikanern in ein Gespräch. Schnell folgen das ein oder andere gemeinsame Bier und dann Einladungen zu weiteren Treffen und Tequila. Eine solche Begegnung hat uns auch bereits den Besuch eines Wrestling-Turniers und viele andere kleine Geschichten eingebracht.
Andererseits sieht man an jeder Straßenecke schwerbewaffnete Polizei, z.T. in gepanzerten Fahrzeugen und ausgerüstet wie Soldaten. Sogar von unserem Campus wird das Geld aus dem Starbucks nur mit schussbereiter Shotgun abgeholt.
Ich bin also gespannt, was noch kommt. Im Moment
liege ich wegen der Entfernung meines entzündeten Blinddarms im Krankenhaus.
Ich bin im wohl teuersten Krankenhaus von Guadalajara gelandet und verlasse mich daher auf
eine gute Versorgung. Mir bleibt also nichts erspart im Moment. Im guten und ein bisschen auch im
schlechten Sinne.
| Unser Pool |
| Auf der Fahrt durch den mexikanischen Jungle |
| Am Surfstrand |
Hola querido tocayo Felipe!
AntwortenLöschenSchöner Bericht. Sehr ehrlich, mit Höhen und Tiefen. Aber Pool und eigenes Auto!? Geil.
Grüße aus der Karlsruher Bib vom Lernen und danke für die kurze Gedankenreise.
Viel Spaß!